Gimrad – Eine Weihnachtsgeschichte

Kesira fröstelte, als sie nach draußen ging, um frische Tannenzweige zu holen. Die Mutter hatte es ihr aufgetragen, damit sie schneller mit dem Schmücken des Hauses fertig würden. Das Essen stand auf dem Herd und im Ofen briet die frische Gans seit dem frühen Abend. Die Mutter lächelte, als sie ihre fast erwachsene Tochter zur Türe hinausgehen sah. Sie war stolz auf sie und sie wusste, dass sie bald heiraten würde. Dann müsste sie das Haus verlassen, aber wie es das Glück wollte, war sie dem Sohn des Müllers versprochen, der in der Mühle am Bach draußen vor dem Ort wohnte. Sie schloss die Türe und wendete sich dem Ofen zu. Es gab noch einiges zu erledigen, bevor Kesira wieder zurück wäre.
  Es fehlten noch Tannenzweige für die beiden Plätze, die am Tisch überzählig waren und leer bleiben sollten. Kesira hatte wie jedes Jahr darauf bestanden, sie für die Ahnen zu decken. Früher war es eine feste Sitte gewesen, an die Verstorbenen zu denken, die in der längsten Nacht des Jahres mit ihnen im alten Glauben das Gimradfest feiern sollten. Heute feierte man mit der neuen Religion das Weihnachtsfest. Die Pfarrer sahen es nicht gerne, wenn man die zwei Gedecke freihielt. Deshalb sprach man besser nicht darüber. Kesira machte sich jedes Jahr Gedanken darüber, wer sie besuchen sollte. Und jedes Mal sorgte sich die Mutter über ihre älteste Tochter, die vom Vater diesen heidnischen Namen erhalten hatte. Was hatte er sich nur dabei gedacht? So ein Name forderte das Schicksal gleich heraus. Da roch sie etwas anbrennen und kümmerte sich um ihr Essen. Wo blieb nur Kesira? Sie hatte nur den leichten Wollschal mitgenommen.
  Kesira zog den Schal fester um ihre Schultern. Sie roch den Schnee, der bald kommen sollte. Kesira hoffte, dass es noch in dieser Nacht schneien würde. Das junge Mädchen trat an die dunkelgrüne Tanne, die ihrem Elternhaus gegenüberstand. Es waren schon alle feinen Zweige herausgebrochen worden. Kesira zögerte, noch zwei Zweige von der Tanne zu fordern. Der Wuchs im nächsten Jahr wäre beeinträchtigt und sie liebte den hohen Baum, der ihr im Sommer Schatten spendete. Sie legte ihre Hand auf den kalten Stamm des Baumes und lächelte, als sie an den Sommer dachte. Da drangen Worte an ihre Ohren. Sie meinte, die Zweige sprechen zu hören. Als Kesira näher hinhörte, rauschte nur der Wind in den Wipfeln der Bäume. Kesira lächelte, glaubte sie doch, schon einzelne Worte verstanden zu haben. Sie schüttelte den Kopf und schalt sich, weil sie der alten Rabenkultur anhing. Ein bisschen nur, denn die alte Religion war doch schon längst von den Pfarrern verboten worden. Die Schwarzröcke würden sie an den Pranger stellen, wüssten sie, wonach sich Kesira mit aller Kraft sehnte. Da war es wieder und nun konnte es Kesira ganz deutlich hören. Es wisperte aus dem Stamm ihrer Tanne heraus.
  „Geh zur alten Buche, dort steht die frische Tanne, die nicht war, als du gestern dort gewesen warst. Brich dort die Zweige und denke an die Vorfahren deiner Familie. Wünsche dir einen besonders, auch wenn du ihn nicht kennst.“
Kesira wusste, sie hatte richtig gehört. Ohne zu zögern ging sie los zur alten Buche, die in der Nähe der Mühle ihres Verlobten stand. Sie begann zu frieren, weil sie nur das leichte Tuch trug. Egal, dachte sie und lief schneller, damit sie die Kälte nicht spürte. Sie hatte schnell den Bach erreicht und folgte dem Pfad, der zur verwunschenen Buche führte, die seit Menschengedenken dort stand. Knorrig und schief hatte sie bisher den Stürmen getrotzt, die andere Bäume schon vernichtet hatten. Doch woher die junge Tanne kam, die sie eben jetzt im Mondschein sah, konnte sie sich nicht erklären. Es war windig geworden und Kesira sah die Wolken, die den erwünschten Schnee bringen sollten. Sie fing an zu zittern, weil sich die kalte Luft um jede Faser ihres Körpers legte. Da sah sie, wie der Wind die hohen Zweige der Buche hin und her bewegten. Dann hörte sie das leises Raunen, das aus der Tanne kam. Sie verstand zuerst nichts und trat vier Schritte dichter an sie heran. Als sie dort stand, griff sie nach einem Zeig und wollte ihn abbrechen. Sie fürchtete sich ein wenig und wollte gleich gehen, als sie Worte hörte, die sie verstand.
  „Denk daran, du kannst auf dem Weg nicht umkehren, wenn du den Zweig brichst“, hörte sie die Tanne wispern.
  „Welchen Weg?“, fragte Kesira
  „Den Weg, den Verwandten zu begegnen. Ist es nicht das, was du dir so sehnlichst wünscht? Brich einen Zweig und wünsche dich dorthin, dann wirst du ihnen begegnen. Doch behalte den Zweig in den Händen. Wenn du ihn verlierst, musst du dein Leben dort verbringen. Einer deiner Verwandten wird sich solange bei deiner Familie einfinden, damit die Zahl der Seelen wieder stimmt in der jeweiligen Zeit.“
  So hörte sie es und für einen Augenblick zögerte Kesira noch. Doch die Neugierde auf das, was geschehen könnte, war größer. Sie streckte die Hand aus, brach den ersten Zweig, an den sie gelangen konnte, und spürte gleich darauf ein feines Zittern ihren Körper durchlaufen. Dann wurde ihr schwindelig und die Welt drehte sich so schnell, dass sie keine Einzelheiten mehr sehen konnte.
  „Hoffentlich falle ich nicht und erfriere im Bach. Nicht einmal Schnee haben wir zu diesem Weihnachtsfest“, sagte sie bedauernd und wusste nicht mehr, wo sie war. Sie schien durch einen feinen Nebel zu fallen und nach einigen Momenten traf sie auf etwas Festem auf.
  „Verflixt, was ist das für ein stinkender Pferdekopf?“, murmelte sie halblaut vor sich hin und rieb sich die Stirn. Dann richtet sie sich auf und stand zwei jungen Männern gegenüber, die sie überrascht ansahen. Keiner der drei jungen Leute sagte ein Wort. Erst als Oskar zu lachen anfing, stieg ein leiser Zorn in Kesira auf. Sie vergaß den anfänglichen Taumel, der sie ein wenig wie auf Wolken schweben ließ, sah den jungen Männern in die Augen und wunderte sich.
  „Nicht nur der Pferdekopf stinkt“, sagte Oskar. „Auch wir stinken, denn wir haben ihn zum Gimradfest auf den Straßen herumgetragen. Du bist sonderbar gekleidet“, stellte er fest. Kesira, die sich mitten in einem Wirbel der Gefühle befand und noch über seine Worte nachdachte, besonders über das Gimradfest, von dem er erzählte, wurde ärgerlich und wollte schon wütend auf Oskar zugehen, als sie spürte, dass sich das Wolltuch verheddert hatte und sie nicht freikam. Oskar sah es und half ihr es zu lösen. Da fiel Kesira auf, dass er kein Kreuz trug, wie sie es von den jungen Männern zu Hause gewohnt war.
  „Wenn dich der Pfarrer sieht, wird er dich bestrafen“, sagte sie zu Oskar Ashby, der die Stirn runzelte.
  „Das wird nicht geschehen, denn wir haben keine Pfarrer. Erkläre mir bitte, was das ist“, forderte er Kesira auf und stellte sich ihr in den Weg, um ihr unmissverständlich klarzumachen, dass er eine erschöpfende Antwort von ihr erwartete. Kesira sah in Oskars Gesicht und fing an, ihm die Geschichte von Jesus Geburt und dem besonderen Tag heute zu erklären. Ilari hörte genau zu, runzelte die Stirn und fing er an zu begreifen.
  „Woher kommst du?“, fragte Ilari sie unvermittelt und trat auf sie zu.
  „Aus der Nähe von Tamweld“, erklärte sie ihm etwas vermessen, denn sie fand die Frage unnötig.
  „Das stimmt nicht. Die Leute von dort sehen anders aus“, fiel ihr Oskar ins Wort und sie hätten sich fast in einen Streit verwickelt, als Oskar die Zweige in ihrer Hand sah.
  „Bringst du uns Zweige zum Gimradfest?“, wollte er wissen und Ilari, der einen davon kurz aufleuchten sah, wunderte sich und wollte sich den Zweig näher ansehen.
  „Ich wollte nur einen brechen“, bemerkte Kesira verwundert. „Wenn du möchtest, gebe ich dir einen davon ab. Den anderen muss ich in den Händen behalten, sonst finde ich den Weg nicht mehr zurück“, erklärte sie Ilari, der nach dem Zweig griff, und wunderte sich doch selbst über ihre Worte. Ilari nahm einen der Zweige und hielt ihn vor die Augen, um ihn näher zu betrachten.
  „Sie hat es dir schon gesagt, Ilari. Behalte den Zweig in den Händen, sonst verlierst du dich in der Zeit“, hörten sie die Wände wispern. „Sonst ist der Weg zurück versperrt.“ Sie hörten die Worte von allen Wänden gleichzeitig tönen und zuckten zusammen. Dann sahen sie den leuchtenden Zweig, den Kesira mitgebracht hatte, in Ilaris Händen.
  „Lass ihn fallen Ilari!“, rief Oskar einer Eingebung folgend. Aber noch ehe Oskar nach Ilari greifen konnte, um ihn festzuhalten oder ihm den Zweig zu entreißen, verging er vor den Augen der beiden in einem feinen Nebel. Als sich der Nebel schließlich lichtete, waren sie alleine. Kesira begriff, dass sich die Verheißung des Abends bewahrheitet hatte. Und noch ehe Oskar vor Zorn auf das junge Mädchen losgehen konnte, erklärte sie ihm, was geschehen sein könnte. Weil Kesira fremdartig gekleidet war und ihr Haar anders trug, glaubte Oskar ihr und nahm sie wütend mit sich in die Küche des Schmieds. Colan blickte verwundert auf die junge Frau. Als er hörte, was sich zugetragen hatte, bat er sie freundlich an den Esstisch der Familie. Er konnte nichts gegen die Verheißung des Gimradfestes unternehmen und wünschte sich nur einen Ahnen seiner Familie an den Tisch, den er sehr vermisste.
  Alwine sagte nichts zu dem Gast, der sich bei ihnen eingefunden hatte. Aber es war Gimrad, deshalb fragte sie nicht nach dem Was und dem Warum und bot der fremden, jungen Frau vom Essen an. Cinnia mochte Kesira und lehnte sich vertrauensvoll an sie an.
  „Ist Kesira mit uns verwandt?“, wollte Cinnia vom Vater wissen.
  „Nein, aber mit Ilari, denn er hat den Platz mit ihr getauscht. Es heißt, dass die Menschen, die sterben, im Jenseits einen Platz finden oder in der Zukunft erneut geboren werden. Sie stammt aus seinem Geschlecht und er wird verstehen, warum sie gekommen ist. Jetzt iss, solches Essen gibt es nur zu Gimrad“, forderte er seine Tochter auf und wusste, er würde noch lange an diesen Abend denken müssen. Kesira lächelte und schwieg, bis sie vor Schreck die Gabel sinken ließ.
  „Ich muss zurück. Die Zeit drängt, doch ich würde lieber bleiben“, sagte sie aufgeregt und alle blickten sie mit ernsten Mienen an. „Aber ich werde zurückkehren, sobald ich kann. Denn ich fürchte, ich habe mich hier in eurer Zeit verloren“, erklärte sie den Anwesenden. Und Colan, der wusste, dass solche Dinge geschehen konnten, nickte ihr zu.
  „Du kennst die Schwere deiner Worte. Sie wiegen viel im Reich des Jenseits. Du könntest nur zurückkehren, wenn dein Leben dort, wo du herkommst, zu Ende gegangen ist. Aber wer weiß. Vielleicht sehen wir uns wieder in der Zukunft“, entgegnete er ihr freundlich und reichte ihr die Hand zum Abschied. Er spürte die Wärme ihrer Hände und wusste nun, dass sie keine traumhafte Erscheinung war, die ihn hier im Haus besuchte.
  „Kommt dann Ilari wieder zu uns zurück?“, fragte Cinnia mit kindlicher Stimme, aber keiner beantwortete ihre Frage, denn sie kannten die Antwort nicht.
Kesira war unruhig geworden, als sie an ihren Verlobten denken musste, und sah Oskar in die Augen.
  „Ich würde gerne bleiben, aber ich fürchte um Ilari, der in Gefahr ist. Ich muss gehen“, sagte sie abrupt und lächelte Oskar zu, den sie mochte, weil er so ein fröhliches Gemüt hatte. Als sie vor den Augen der Menschen verschwand, neigten alle den Kopf und gedachten der Anverwandten, die heute an diesem Fest fehlten, und hofften auf Ilaris glückliche Rückkehr.

Ilari befand sich plötzlich an einem Bach, in der Nähe eine Buche. Der Schnee, der meterhoch lag zu Gimrad, war verschwunden und er wunderte sich über das Licht, das aus einem Gebäude weiter hinten kam. Als er zu Boden blickte, sah er im Mondschein eine Gestalt liegen. Es war ein Mädchen und Ilari beugte sich hinunter, um zu sehen, ob das Mädchen schlief.
  „Es ist zu kalt, um hier zu liegen, mein schönes Kind“, sagte er und strich dem Mädchen das Haar aus dem Gesicht. Da sah er, dass es Kesira war. Er erschrak für einen Augenblick, denn sie wirkte leblos. Im nächsten Moment schon fühlte er, wie ihn zwei Hände fest an den Armen packten. Zwei Männer drängten ihn an den Stamm der Buche. Andere kamen hinzu und hoben Kesira hoch, die bleich und wie tot wirkte.
  „Er hat sie getötet“, schrie einer der Männer entsetzt auf, als er Kesiras bleiches Gesicht sah. Er trat auf Ilari zu und wollte ihm ins Gesicht schlagen, als er festgehalten wurde.
  „Lass ihn, Müller. Wir müssen alles der Gerichtsbarkeit der Kirche überlassen“, sagte er und schob den jungen Müller von Ilari weg. „Wir binden den Fremden, nehmen ihn mit uns und werden ihn den Gesetzeshütern übergeben. Kümmere dich lieber um Kesira. Sie ist tot, doch du willst sie sicher nicht so achtlos am Boden liegen lassen.“
  Als der Müller auf Kesira sah, brach in dem jungen Mann etwas entzwei. Ein heißer Zorn und kaltblütiger Hass stieg in ihm auf. Er war nicht bereit, auf die Rache zu warten, die ihm die Kirche gewähren würde. Er hatte hier und jetzt Kesira verloren und wollte ihren Tod sofort rächen. Er begann zu schreien und zog ein Messer aus seiner Tasche, das er immer bei sich trug. Er hastete auf Ilari zu, um es ihm ins Herz zu stoßen. Sollte er den gleichen Schmerz erleiden, den er in seinem Herzen spürte. Die Männer gingen dazwischen, verhinderten aber nicht, dass das Messer schon das dicke Wams durchdrang und einen tiefen Riss in Ilaris Brust schnitt. Doch die Wucht des Hiebes war zu gering. Das Messer erreichte nicht Ilaris Herz. Sie sahen, wie sich der Stoff rot färbte, und waren erleichtert, dass ihr Müller nicht zum Mörder geworden war wie der Fremde, der vor ihnen stand und beharrlich schwieg. Als sie ein leises Wimmern hörten, drehten sie sich zu Kesira um. Gleich darauf hörten sie sie sprechen, leise zwar, doch deutlich genug, dass sie wussten, sie käme wieder zu Bewusstsein.
  „Sie lebt“, schrie einer der Männer und lief zu dem Mädchen. „Seid still, ich will die leisen Worte hören“, rief er und alle schwiegen, trauten sie doch ihren Ohren nicht.
  „Lasst ihn, ich lebe, ich kehre gerade zu euch zurück. Er tötete mich nicht, ich bin gleich bei euch“, sagte sie und die Worte schienen stetig näher zu kommen, bis alle sie deutlich hören konnten. Kesiras Gesicht wurde rosig und ihr Körper regte sich, wie wenn sie aus einem tiefen Schlaf erwachte. Als die Männer näher an Kesira herantraten, sahen sie, wie das Leben in ihren Körper zurückkehrte.
  „Ein Wunder in der Weihnachtsnacht“, sagte einer der Männer und machte das Kreuzzeichen. Als sich Kesira mit Hilfe des Müllers aufrichtete, waren die Männer glücklich. Sie alle hatten Ilari vergessen, der jetzt Kesira gegenüberstand.
  „Lasst ihn zurückkehren“, sagte sie. „Und schweigt über das, was geschehen ist. Es wird den Kirchenoberen nicht gefallen und sie werden mich holen, wenn sie davon hören.“ Die Männer nickten und taten ihr den Gefallen, keiner wollte sie gefährden.
  „Du Ilari musst jetzt zurückkehren. Du hast hier meinen Platz eingenommen und hättest fast dein Leben verloren. Kehre zurück, damit das Gleichgewicht der Seelen wieder eingehalten wird in jeder Zeit“, sagte sie mit einem Lächeln und küsste Ilari auf die Stirn.
  „Was redest du, Kind?“, sagte einer der Männer erschrocken. „Pass auf, dass dich der Pfarrer nicht hört.“ Aber er wusste wie alle anderen, die den alten Glauben noch kannten, was gerade geschah. Da reichte Kesira Ilari den glimmenden Zweig und nickte ihm auffordernd zu. Als er ihn ergriff, wurde ihr warm uns Herz.
  „Denk an mich in Tamweld zu jedem Gimradfest“, bat sie Ilari und er lächelte ihr zu.
  „Jedes Mal an Gimrad werde ich an dich denken“, versprach er ihr und dann verschwand er vor ihnen in einem feinen Schneefall, der sich stetig verdichtete. Er wurde immer undeutlicher und war entschwunden.

„Es schneit endlich“, sagte er und blickte in den Flocken. Ilari stand im Schnee und sah glücklich, wie die wilden Flocken um ihn tanzten und wirbelten. Er war vor seiner Burg in Falkenweld, wie all die Jahre zuvor zu dieser Zeit. Der feine Schmerz in seiner Brust, der von einer alten Narbe herrührte, mahnte ihn, nur an diesem einen Tag im Jahr, an das eine Gimradfest zu denken.
  „Vater, Mutter verlangt nach dir“, hörte er seine Tochter rufen. „Das Essen steht auf dem Tisch. Warum nur läufst du immer zu Gimrad hinaus, wenn es schneit?“, fragte sie ihn und war schon bei ihm angelangt, um ihn bei den Händen zu greifen. Sie streckte den Rücken durch und küsste ihn auf die Stirn, wie sei es gerne tat. Er sagte kein Wort und blickt nur berauscht auf die Gestalt seiner Tochter. Sie war fast erwachsen und glich Kesira wie einer Zwillingsschwester.
  „Ich wundere mich immer wieder, wenn ich dich sehe, meine Tochter“, sagte er glücklich und lief mit ihr zurück, denn er wusste, Morwenna würde ärgerlich sein, wenn er das Essen verpasste. Aber es war jedes Jahr dasselbe. Zu Gimrad verlor er die Zeit und wollte alleine sein mit seinen Gedanken und dem ersten Schnee. Da sah er seine Tochter schon auf die Türe zulaufen, sie hatte ihn leicht überholt.
  „Warte auf mich, Kesira“, rief er ihr hinterher und beschleunigte seinen Schritt. Er mochte sie nicht im Schneeflockenwirbel ein zweites Mal verlieren.